Sonntag, 17. August 2014

IX (12.08. - 16.08.2014)

Bonzour nach Hause!

Ja, es ist ein Perodua Viva!
Heute gibt es einen sehr bildreichen Blogeintrag, denn seit wir am Mittwoch unser Auto bekommen haben sind wir endlich ein ganzes Stück freier und konnten uns etwas mehr von der Insel angucken. Durch den Wegfall eines der größten Stressfaktoren hat sich gleichzeitig die Stimmung schlagartig verbessert und der negative Blick der letzten Tage kann endlich (zumindest ein Stückweit) relativiert werden.

In der Uni haben wir einige nette Studenten im letzten Bachelorsemester kennengelernt, mit denen man sich deutlich besser unterhalten kann als mit den Erstis! Insgesamt ist auch der Umgang mit uns offener geworden und die teils neugierigen, teils erstaunten Blicke sind größtenteils einer einigermaßen vertrauten Freundlichkeit gewichen. Vom Stoff her ist zwar vieles für uns eher eine Wiederholung, aber da die Vorlesungen auf Kreol und Französisch stattfinden ist das zum Reinkommen gar nicht mal schlecht… wir werden sehen, wie es weitergeht!

Arbeitender Mauritier :)
Straßenstände in Port Louis
Am Donnerstag haben wir zunächst unser Medical Certificate machen lassen und anschließend mit Thorben, Chris und Patrick eine Tour nach Port Louis unternommen. Der Autoverkehr war dabei einer der Höhepunkte. Stopschilder, Ampeln, Fahrstreifen... alles eher Richtlinien als Regeln!
Noch mehr arbeitende Mauritier...


Chinatown in Port Louis
Wenn viel frisches Fleisch gekauft wird,
benötigt der Geflügelschlachter Nachschub
Zweiter Höhepunkt dann der Zentralmarkt der Hauptstadt. Hier hätte vielleicht das Gesundheitsamt seinen Spaß, Nasen und Mägen von Ottonormaleuropäern hingegen vergeht die Freude schon nach der ersten Verkaufshalle, in der neben ausblutenden Hähnen und ungekühlt gelagertem Fisch, Rinder- und Schweinefüße mit dem Hackebeil frisch bearbeitet werden, ehe sie neben den im gleichen Gang geparkten Mofa (ohne Umweltplakette) in die Auslage kommen. Ach stimmt, neben dem Gesundheitsamt freuen sich auch die dicken, grünen Schmeißfliegen (siehe Foto)…
Nichts für schwache Nerven
Komischerweise war uns der Appetit nicht komplett vergangen, sodass wir im Nebengebäude einige mauritische Spezialitäten ausprobierten. Das aus vergilbten 5l-Plastikeimern ausgeschenkte kalte Vanillegetränk, in dem wurmähnliches weißes Fruchtfleisch schwamm schmeckte uns dabei besonders gut!
Patricks Gesicht beschreibt die Geruchsverhältnisse noch am ehesten
Aus Hygienegründen: Solange die Kuh mit dem Hackebeil zerlegt wird, bleiben die Mofamotoren natürlich aus!

Fliegen auf Frischfleisch (vorne)
Kuhfuß (hinten)

Sarah zeigt sich verwundert über die Konsistenz ihres Getränks
Schließlich wollten wir noch zum Passport & Immigration Office und fragten uns durch. Die Mauritier sind wirklich super nett und hilfsbereit und nennen einem deshalb auch dann den Weg, wenn sie keine Ahnung haben wo das Ziel in Wahrheit liegt. Die Route verlief also quer durch die Hauptstadt, obwohl das Ziel auf direktem Wege zügiger zu erreichen gewesen wäre - Alles in allem also doch ein schöner Tag in Port Louis…
Für Fans der "blauen Mauritius": Das Post Museum

Abends sind wir dann noch mit Katharina in eine von Percy organisierte Vorlesung und Martial Arts Show chinesischer Shaolin-Mönche in der Aula unserer Uni gesehen. Wo sich sonst fast nur Menschen indischer Herkunft tummeln traf sich nun die sino-mauritische Community. Eine gute Gelegenheit einen anderen Teil der mauritischen Kultur kennenzulernen!


Am Freitag war Feiertag. Die drei Bremer und wir nutzten die Gelegenheit um mit dem Auto ins Bergland zu fahren. Dort steuerten wir die typischen Touristenziele an: Den mehr als 100 Meter tiefen Chamarel-Wasserfall und die „Terres des 7 couleurs“. Durch verschiedene Metalle im Boden färbt sich die Erde hier an einer Stelle eigenartig und wird unfruchtbar. Ein beeindruckender Ort – auch wenn wir uns schnell ablenken ließen, denn Chris entdeckte in einem Baum einen wild lebenden Affen!




Patrick, Chris und Thorben aus Bremen

Unser erster Affe!


Bei der Heimfahrt durch die weiten Zuckerrohrfelder hielten wir noch kurz an, um selbst eine „canne“ zu ernten. Geschmacksrichtung „süß/hölzern“. Der weitere Weg führte uns an die Maconde-Spitzkehre, einen der südlichsten Orte Mauritius und gleichzeitig der südlichste Punkt der Erde an dem Sarah je war! Hier geht, wie an der gesamten Südküste, ein ordentlicher Wind, der auf den Passat zurückzuführen ist.  Schließlich kamen wir an die Südwest-Ecke der Insel. Es ist unfassbar wie man an der Westküste entlang gehen kann und es beinahe windstill ist, doch sobald man den Scheitelpunkt zur Südküste erreicht weht ein unheimlich starker Wind, der die Kitesurfer auf ihre Kosten kommen lässt.

Zucker vom Rohr!


Windige Südküste

Le Morne - Kitesurf Paradies

Nachts ging es noch auf eine internationale Studentenparty! Gastgeber war ein Südafrikaner, dessen Eltern aus Südafrika und Belgien kamen. Neben französischen Studenten waren auch Mauritier, Finninnen, Ukrainerinnen, Holländer, Spanier und natürlich Deutsche eingeladen. Sarah schnackte noch bis in die frühen Morgenstunden auf allen Sprachen, die sie spricht und ich konnte mit der Finnin sogar mein Schwedisch reaktivieren. Auch dieser Tag war also klasse!

Tja, und dann gestern schließlich dieser grandiose Sieg des VfL Bochum gegen Stuttgart. Man kann sich denken, dass Sarah das Lächeln nicht aus dem Gesicht bekommt und während des Frühstücks ein ganzes Grönemeyer-Live-Konzert gehört und mitgegrölt hat. :D

Bis bald! 

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