Freitag, 8. August 2014

VII (04.08. - 08.08.2014)

Bonjour ihr Lieben!
Heute möchten wir euch von unserer ersten Woche an der University of Mauritius (der selbsternannten "besten Universität der Welt") berichten!

Zunächst zum Stundenplan, der seit heute (fast) fest steht! Gut, dass das Semester am Montag begonnen hat und wir heute durch Zufall mitbekommen haben, dass der Kurs der samstags morgens um 8 Uhr stattfinden sollte kurzfristig nochmal verlegt wurde. Sonst wären wir morgen umsonst um 5 Uhr aufgestanden... Nun der Stundenplan ist nicht wirklich so wie wir uns das vorgestellt hatten. Die Kurse dauern sage und schreibe 3 volle Zeitstunden. Dass es schon ohne tropische Hitze schwierig ist sich 1 1/2 Stunden am Stück zu konzentrieren hat sich wohl bis hierher noch nicht herumgesprochen und die eigentlich sehr kompetenten Dozenten zeigen eindrucksvoll, dass es auch ihnen schwer fällt die Zeit sinnvoll zu füllen. Immer und immer wieder wiederholen sie sich bei den einfachsten Sachverhalten und lassen den Unterricht zum Kaugummi werden (aber zum ganz billigen geschmacklosen...)
Apropos - geschmacklos, aber überhaupt nicht billig, sind die Studiengebühren. Für ein Jahr zahlen wir als internationale Studenten locker das Zehnfache von den Mauritiern (4000 € vs 400 €). Damit das Ganze aber nicht unfair wird, erhalten die Mauritier dazu eine Mensakarte mit der sie günstiger essen können - wir nicht! Ach, und die Mauritier dürfen für ihre horrenden Gebühren wenigstens kostenlos mit dem Bus fahren - wir nicht!

Zurück zum Stundenplan: Montags haben wir also von 8-17 Uhr, 2 Stunden Busfahrt hin und 2 Stunden Busfahrt zurück machen 13 Stunden, die wir unterwegs sind. Das Positive? Wir fahren im Dunkeln los und kommen im Dunkeln heim, können also sofort schlafen gehen :) Nächsten Mittwoch soll der Spuk mit den Bussen (die extra langsam fahren um mehr Passagiere zu bekommen und somit mehr zu verdienen) aber ein Ende haben, denn wir werden uns den Luxus gönnen ein Auto zu mieten. Die anderen Tage sind ok. Auch wenn es eeetwas nervt, wenn man keine Freistunde, sondern DREI Freistunden am A** dieser Insel hat...

Im Unterricht (!) wird einem unmissverständlich klar (gemacht), dass man hier nicht hingehört. Betreten wir den Klassenraum (!) könnte man meinen wir kämen von einem anderen Planeten, so durchlöchern uns die Kommilitonen und Dozenten mit ihren Blicken. Weiße?? Sofort folgt ein prüfender Blick auf unsere Füße, ob wir die berühmten weißen Socken in den Sandalen tragen, dann wartet man gespannt darauf, ob wir unsere Plastikstühle in Pultnähe mit Strandtüchern reservieren bevor wir sicher gleich mit den dicken Bündeln voller Geldscheine die ganze Cafeteria kaufen... Es ist nicht so, als seien uns gar keine Vorurteile entgegengebracht worden. Spätestens als ein Dozent die Klasse in Lachen versetzte als er genüsslich aus uns herausquetschte, dass wir im Touristenort Flic en Flac wohnen und uns sicher außerhalb der Uni nur in den großen Einkaufszentren für Weiße herumtreiben wussten wir, dass hier mit Rassismus sehr offen umgegangen wird!

Umso überraschender dann, dass sich einige Mädels aus unserem Kurs trotzdem in den Freistunden mit uns zusammengesetzt haben und versuchten in ihre Gruppe zu integrieren. Anders als bei den uns bekannten Studentenrunden mündete das Kennenlernen jedoch nicht in ein Gespräch, sondern erfolgte über das uns allen aus den Anfängen unserer Pubertät noch bekannte Spiel "Wahrheit oder Pflicht"! Vielen Dank auch!
Die Mädchen teilten uns auch ihre ehrlichen Ängste darüber mit, was sie nun in der Uni erwartet: Ein ganz anderes Niveau... keine Schule mehr... selbstständig arbeiten... alles gewöhnungsbedürftig.

Und sie sollten fast Recht behalten: Der bisherige Gipfel wurde heute im Kurs "Sklaverei und Immigration in der mauritischen Literatur" erreicht. Da setzte sich eine junge Doktorin tatsächlich geschlagene 3 Stunden mit einem Skript hin und diktierte fröhlich vor sich hin, während die Klasse sich die Finger blutig schrieb. Ihr glaubt jetzt das sei Spaß oder Ironie. Nein. Leider, Nein! 3 Stunden Diktat. Die traurige Wahrheit. Keine Schule mehr - anderes Niveau jetzt...

Wir versuchen das Grauen mit Humor zu nehmen. So meinte Sarah noch trocken, dass es sicher alles daran läge, dass die Dozenten noch nicht wissen, was sie für Kurse geben müssen und dementsprechend nichts vorbereitet haben (Eine hat das sogar zugegeben!). Man wird es sehen.

Da wir jetzt soviel Ernüchterndes, Erschütterndes und Frustrierendes erzählt haben, wollen wir doch mit einer guten Nachricht enden. Wir haben heute nach fast 2 Wochen Kampf tatsächlich unsere Studiengebühren bezahlen können! (Bitte denkt euch an dieser Stelle einen Tusch mit Fanfaren und allem was dazu gehört!)
Ja, alles begann damit, dass es in der Uni zwei eng miteinander zusammen"arbeitende" Büros gibt, die allerdings nicht nur aus raumplanerischer Sicht unverständlicherweise an den beiden gegenüberliegenden Seiten des Campus platziert wurden. Zunächst waren wir im Admission Office, wo wir gesagt bekamen wir müssten zur Finance Section, dort bezahlen und dann wieder zurückkommen um uns einzuschreiben. (Dass wir an jedem der Büros jeweils immer ca. 30 Minuten warten mussten, brauche ich nicht erwähnen). Nach langem Warten also wurden wir von der Finance Section zurückgeschickt, weil wir ein Registration Form vom Admission Office gebraucht hätten. Als wir dies bekamen war natürlich erstmal 1 1/2 Stunden Lunch Break. Als wir dann bezahlen konnten meldete das Kartenzahlgerät, dass unsere Mittel nicht ausreichen würden (Es stellte sich heraus, dass unser Abbuchungslimit bei 2000€ pro Abbuchung lag.) Ewige Diskussionen folgten, wir wurden über Tage noch mehrfach hin und her, dazu zu verschiedenen Banken und dem International Office geschickt. Eine Odyssee die stark an Asterix und Obelix Passierschein A38 erinnerte. Letztlich war die Lösung recht einfach: Man zahlt erst 2000€ der Studiengebühren und direkt danach die andere Hälfte. Klingt logisch - ist es auch! Aber finde einen Mauritier, der das versteht... Wir haben einige gefunden, leider saß keiner von ihnen hinter dem Bankschalter der Finance Section! Heute also nach hunderttausendfacher Erklärung auf Englisch, Französisch und Kreol, haben die dressie[....] Frauen hinter der Panzerglasscheibe nach einigen wirren Aussagen (Ihr habt das Geld nicht!, Ihr wollt nicht alles zahlen!, Eure Eltern müssen aus Deutschland überweisen!, etc.) tatsächlich unseren Vorschlag angenommen und wir durften unser Geld loswerden... Jetzt gibt's also kein Zurück mehr!

Weitere Fotos folgen!
Salam! Sarah und Magnus
Ein besonders schöner Beschützer

Geschafft! Nach 2 Wochen sind wir endlich unser Geld losgeworden.

Dank des Welcome Packs für International Students fehlte es uns an nichts, außer an Stundenplänen, Bustickets, Mensatickets, Dozentenkontakten, Orientierungshilfen für Bibliothek und Kopiermöglichkeiten usw usw. Was dann überhaupt im Welcome Pack enthalten war, wollt ihr wissen? Nunja, eine Mauritius-Karte und ein Flyer für Katamaran-, und Delfintouren sowie diverse andere Touristenattraktionen.

Unser Kreol wird weiter verfeinert...

Unsere liebe Vermieterin Monika hat uns eines Morgens tatsächlich mit diesem Buchgeschenk überrascht: Der kleine Prinz auf Kreol Morisien! Super Geschenk!

1 Kommentar:

  1. Natürlich sind wir heute mal wieder völlig umsonst 2 Stunden zur Uni gefahren, weil der Kurs einfach nicht stattgefunden hat.. Ohne Worte!!!

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