Sonntag, 2. November 2014

XVIII (26.10. - 02.11.14)

Happy belated Halloween!

Wir hoffen, dass ihr die Gruselnacht gut überstanden, den Monstern, Hexen, Gespenstern und anderen schrecklichen Gestalten genug Süßes gegeben habt, sodass es jetzt nicht bei euch spukt und dass alle feierwütigen Kreaturen unter euch diesen grauenhaften Kater am Morgen des Schreckens besiegen konnten!


Wir haben am Halloweenabend auf ein Bier mit Monika zusammen gesessen und bei offener Tür und 25 Grad (auf die es sich nachts mittlerweile nur noch „abkühlt“) die vorbeiziehenden Gespenstergruppen beobachtet und aus weiter Entfernung ihr „Trick or Treat“ hören können. Die Halloweennacht ist also im wahrsten Sinne des Wortes an uns vorbeigezogen.

Ala nou la!
Viel aufregender dagegen war der Anfang der Woche. Wie wir euch im letzten Blogeintrag ja berichtetet, dass wir Montag beim „Zourne internasional kreol 2014“, also beim internationalen Tag der Kreolsprachen, einen Vortrag darüber halten sollten, warum wir hier sind, was wir hier machen, welche Erfahrungen wir hier schon gesammelt haben und die Projekte vorstellen, an denen wir zur Zeit arbeiten. 
Morgens beim Frühstück war Magnus schon ganz aufgeregt und hat keinen Bissen runter gekriegt, während ich die ganze Sache noch ziemlich entspannt sah. Mit doofen Sprüchen („Was soll schon passieren?“, „Du kriegst da heute keine Note also musst du auch nicht aufgeregt sein!“ und „Das ist doch keine große Sache!“) verließen wir das Haus. Doch spätestens beim Anblick des professionell hergerichteten Saals, der Menge Menschen die langsam eintrudelten und vor allem den Kamerateams mehrerer mauritischer Fernsehsender, die dabei waren ihre Equipment aufzubauen und Scheinwerfer zu installieren, wurde mir bewusst, wie ich das alles unterschätzt hatte. Es dauerte dann auch überhaupt nicht lange bis die erste Reporterin ein Interview vor laufender Kamera mit uns führen wollte. Der „Einfachheit halber“ wurde dies auf Französisch gehalten aber nach der Aufforderung „Sagt für unsere Zuschauer mal was auf Kreol“, war ich diejenige, die  schweißgebadet und vor Aufregung völlig fertig war, während Magnus immer mehr Spaß daran fand, ein Mikro in der Hand zu halten und zu zeigen was er kann…. so kennt man ihn… er war in seinem Element! 

Beim ersten Interwiew


Warten auf den großen Auftritt

Danach ging die Veranstaltung dann los. Der Saal war gut gefüllt und Dr. Carpooran, der Kultusminister von Mauritius und die Kanzlerin der Uni hielten ihre Reden. Das ganze natürlich ausschließlich auf Kreol und wir waren überrascht und glücklich darüber, dass wir alles verstanden haben. Dr. Carpooran stellte dann ein neues Buch vor, das viele neue Artikel der internationalen Kreolspezialisten enthält. Das ließ unser Linguistenherz natürlich höher schlagen und wir haben uns direkt angemeldet, eines der ersten Exemplare kaufen zu wollen. Aber auch eine zweite Sache ließ das Herz rasen, nämlich die ständigen Verweise auf die deutschen Studenten, die gleich ihre Rede halten werden und die Augen, die sich in diesen Momenten immer wieder auf uns richteten. Der Mann weiß wie man Druck aufbaut! 

Nach der Tea Break und der Vorstellung von Kreuzworträtsel, die Studenten auf Kreol erarbeitet haben, waren wir dran! Die Atmosphäre im Saal änderte sich schlagartig, denn plötzlich waren wirklich alle mucksmäuschen still und jeder schenkte uns seine Aufmerksamkeit. Auf Kreol stellte ich uns vor und erklärte, dass wir zwar schon etwas Kreol sprechen aber dass ich trotzdem besser auf Französisch weiter mache. Dafür gab es dann schon meinen ersten Applaus, da war ich glücklich. Mitten in meiner Rede verlor ich aber plötzlich den Faden, da wir nicht die altbewertete Methode der Karteikarten oder Stichwortzettel anwendeten, sondern dem Druckermangel geschuldet, mit meinem Tablet dort oben standen. Irgendwie schaffte ich es mich zu verklicken und zack wusste ich nicht mehr weiter. PEINLICH! Magnus fragte mich dann aber lautstark „Ki to pe fer?“ also „Was machst du da?“, was für einen Lacher im ganzen Saal sorgte… Situation gerettet! 


Nachdem ich mit meinem Teil fertig war, stellte Magnus unser Buch vor, an dem wir zur Zeit schreiben. [Kurzer Einschub: nach der Veranstaltungen wurden wir schon von mehreren Interessierten angesprochen, wann das Buch erscheint, wie viel es kosten wird und wo man es erhalten wird. Schon verrückt…] Danach erzählte Magnus dem Saal von unserer Loriot Übersetzung und erklärte, was das Wort „Feierabend“ bedeutet, damit sie den Hintergrund dieses Sketches verstehen. Dann zeigten wir das Video und die Reaktionen waren der verdiente Lohn für die vielen Stunden Arbeit daran: der ganze Saal war außer sich vor Lachen! Magnus verabschiedete uns dann mit den Worten: „Jetzt haben wir Feierabend!“ und dann war es geschafft. 

Geschafft!

Nachdem eingeladene Musiker von ihrem Umgang mit der Sprache während des Textschreibens berichteten, folgten für uns zwei weitere Interviews fürs Fernsehen und eins für einen Radiosender. Zwei Fernsehsender strahlten ihre Beiträge noch am gleichen Abend aus und die Tatsache, dass über die wichtigen Minister und Organisatoren, die eine solche Veranstaltung überhaupt erst möglich machen, nur halb so viel berichtet wurde wie über uns, machte uns schon ziemlich stolz! Auch Dr. Carpooran sagte uns, dass er sich das vorher schon dachte und es sich bestätigt habe, dass wir der Clou des ganzen Tages waren. Auch unsere Mitstudenten sprachen uns reihenweise auf unsere Fernsehauftritte an und sagten uns wie berühmt wir jetzt seien… Hahahaha!


Ein weiteres Video wurde im kreolischen Journal von MBC ausgestrahlt (nur unser Teil):


video



Mit Dr. Carpooran, der Initiator der ganzen Veranstaltung

Der Dozent Dr. Florigny (rechts) nahm unsere Kamera und rief "Selfie!"
Wieder eine Berühmtheit - Menwar
Der Vorleser
Der Rest der Woche verlief dagegen ruhig. Neben dem normalen Unialltag müssen wir uns im Moment auf mehrere Referate, Gruppenarbeiten, Hausarbeiten und Klausuren vorbereiten. Magnus konzentrierte sich darauf, einen 200 Seitigen Roman zu lesen und eine Hausarbeit darüber zu schreiben. Hier an der Uni läuft das mit den Hausarbeiten ein bisschen anders als in Deutschland. Man schreibt diese Arbeiten nicht nur für den Dozenten, sondern stellt sich vor die Klasse und liest diese laut vor, während die Dozentin/der Dozent ein zweites Exemplar der Arbeit vorliegen hat und während des Vorlesens korrigiert. An sich ist das gar kein schlechtes Konzept, denn so hat die Klasse wenigstens auch was davon und der Dozent weniger Arbeit Zuhause. Magnus war also Freitag im Kurs dran, seine Hausarbeit vorzulesen und meisterte dies grandios! Die Dozentin war richtig begeistert und lobte ihn mit den Worten, dass seine Arbeit potential hätte, zu einer Masterabschlussarbeit ausgebaut zu werden. Wow! Ich hoffe ich kann am 14. auch so überzeugen, drückt mir die Daumen! Aber vorher haben wir auch noch andere Präsentationen zu halten, weshalb ich jetzt hier langsam Schluss mache und weiter arbeite! In 3 Wochen haben wir es dann aber geschafft und das erste Semester ist schon zu ende. Mit voller Vorfreude fiebern wir unseren lang ersehnten zweimonatigen Semesterferien entgegen!
Konzentriertes Arbeiten in der Uni

Gefunden bei der Arbeit mit Comics - Alalila!
Eine letzte Sache hab ich aber noch. Nachdem unser 90 tägiges Visum abgelaufen war, haben wir nach ein paar Tagen illegalem Aufenthalt auf der Insel endlich unser endgültiges Visum erhalten. Schon komisch wie man wochenlang hinterher ist und tausendmal nachfragt und Druck macht, dass man dies rechtzeitig erhält und kaum ist man im Fernsehen zu sehen, hält man das Visum einen Tag später in der Hand…. Welcome to Mauritius!

Lasst es euch gut gehen!
Magnus und Sarah

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