Freitag, 19. Dezember 2014

XXII (05.12.-19.12.14)

Sonnenuntergang in Le Morne
Schneeflöckchen, Weißröckchen,
wann kommst du geschneit,
du wohnst in den Wolken,
dein Weg ist so weit.


Auch wenn Rolf Zuckowskis Winterkinder fast in der Dauerschleife bei uns laufen, manchmal glauben wir gar nicht mehr zu wissen, was KALT eigentlich ist…

Hallo erstmal ihr Lieben!

Feuchte, wellige Fotos
Während ihr im alljährlichen Weihnachtsstress die letzten Geschenke besorgt und es euch bei heißem Glühwein und überteuerten gebrannten Mandeln auf den Weihnachtsmärkten gut gehen lasst, schwitzen wir! Während wir vor einer Woche noch geprahlt haben, dass wir unsere Klimaanlage gar nicht brauchen und der Ventilator auch nur ab und zu mal seiner Arbeit nachgehen muss, wissen wir seit Dienstag was es heißt im Sommer in den Tropen zu sein! Von jetzt auf gleich beschlossen die Temperaturen nachts kaum noch zu sinken, tagsüber haben wir über 33 Grad, die Luftfeuchtigkeit ist immer mindestens bei 75 Prozent und die tropischen Regenfälle nehmen zu! Eigentlich schwitzen wir permanent, die Wäsche trocknet nicht mehr richtig, die Haare erst recht nicht und die Fotos an der Wand wellen sich. Nun ist der Ventilator im Dauereinsatz und ohne Klimaanlage ist es unmöglich einzuschlafen. Auch das Atmen fällt hier und da mal schwer.
Die Botanik kann sich sehen lassen
Man denkt jeden Tag, dass es gar nicht mehr schlimmer werden kann aber Monika, Eva und meine Zumba Damen haben uns schon versichert: Das geht! Die Temperatur wird wohl nicht mehr viel steigen, denn 40 Grad erreicht die Insel eigentlich nie, aber die Luftfeuchtigkeit wird im Januar und Februar definitiv auf 98 Prozent steigen! Ehrlich gesagt graut es uns davor schon!

Genug der Klagen und genug vom Wetter! Nun berichten wir euch was wir in letzter Zeit so getrieben haben. Wir genießen in vollen Zügen unsere Ferien! So haben wir zum Beispiel mit Oswaldo, Giovinella und ihren Eltern einen Pizzaabend gemacht und anschließend eine Runde Scrabble auf Französisch gespielt. Das war anfangs gar nicht so leicht aber erstaunlicherweise hat Magnus gewonnen, ganz dicht gefolgt von mir! 


Renovieren auf mauritisch: Möbel rausräumen? Quatsch! Abkleben? Iwo! Tapeten? Streichen? Pustekuchen! 

Am darauffolgenden Wochenende hab ich es mir mit Monika am Pool eines Hotels gemütlich gemacht, während die Jungs schuffteten. Oswaldo wollte sein Zimmer streichen und Magnus hat ihm geholfen. Leider hat es an dem Tag in Floréal so sehr geregnet, dass sich nicht nur die Straßen in reißende Flüsse verwandelten, sondern die Luftfeuchtigkeit so hoch war, dass die Farbe nicht an den Wänden hielt. Die Jungs versuchten es dann mit Spraydosen, gaben aber nach kurzer Zeit auf. Sie machten es sich dann mit einem Bier vor dem Fernseher gemütlich und schauten Liverpool gegen Manchester. 
Damien, Stephane und Oswaldos Versuch Magnus zum Liverpool-Fan zu machen,
scheiterte an einer deutlichen 0:3 Klatsche gegen ManU
Immer nur Fußball im Fernsehen zu gucken wird allerdings auf Dauer langweilig. Wir hatten Lust endlich mal wieder die Stimmung der Fans und die Atmosphäre live im Stadion erleben. Thorben begleitete uns zu dem Erstligaspiel, das im Stadion von Bambous ausgetragen wurde: Pamplemousses gegen Chamarel. Leider gab es nur wenige Fans, die das Spiel für sehenswert hielten, sodass auf den Tribünen gähnende Leere herrschte. Und die wegbleibenden Zuschauer behielten Recht: 0:0 ging die Partie aus! Höhepunkt war ein unberechtigter Elfmeter, der vom Keeper gehalten wurde und der Nachschuss, der aus 6 Metern an die Eckfahne ging. Mehr ist von dem Spiel auf ungemähter Wiese wirklich nicht zu berichten!

Kommen wir nun zu der nächsten Story, die ganz unter dem Motto: „Welcome to Mauritius“ steht. Magnus hatte Lust sich ein neues Computerspiel zu kaufen. Er erfuhr von Oswaldo, dass es in Rose-Hill einen Laden gibt, der Spiele aller Art verkauft und zwar für einen Preis, von dem man in Deutschland nur träumt…. und tatsächlich, in den Regalen standen Hüllen von DVDs, Spielen für die Playstation usw. Nur die Cover sahen irgendwie merkwürdig aus. Nichtsahnend fragte Magnus dann den Verkäufer nach den Computerspielen, woraufhin ihm dieser einen Ordner in die Hand drückte. Etwas verwirrt schlugen wir den Ordner auf und fanden darin Klarsichthüllen mit schlecht ausgedruckten Covern der neusten PC Spiele. Alles was dann geschah erinnerte an „Versteckte Kamera“! Wir sagten dem Verkäufer welches Spiel wir kaufen wollen, dieser nahm einen Rohling und ging zu seinem Computer im Hinterzimmer und brannte uns das Spiel. Er steckte eines der schlecht kopierten Cover zusammen mit der CD in eine Hülle und für 50 Rs, also 1,25€ (der Normalpreis ist eigentlich 100 Rs pro Spiel aber weil ich so nett und auf Kreol mit dem Besitzer gequatscht habe, hat er uns einen Rabatt gegeben! Hihihi!) haben wir glücklich den Laden verlassen! 

Vielleicht wird die nächste und übernächste Generation Wähler
das Prinzip Demokratie begreifen...

Soweit, so gut. Die Wahlen haben dann jedoch endgültig offenbart, dass Mauritius im Grunde eine Bananenrepublik ist. Kandidaten sind gezwungen ihren Glauben und ihre ethnische „Rasse“ anzugeben, um über eine Lucky Loser-Liste einen Platz im sonst komplett hinduistischen Parlament zu bekommen. Politiker kaufen Stimmen mit Alkohol, schmieren die Polizei und unterdrücken die Redefreiheit der Gegenparteien. Zur Wahl standen in diesem Jahr zwei große Blockparteien: die eine ist eine Koalition aus der Regierungspartei mit der Opposition (quasi CDU/SPD), während die andere eine Koalition aus der Opposition mit der Regierungspartei ist (quasi SPD/CDU). Die Verwirrungstaktik ging insoweit auf, dass die Mauritier, die die Nase von der vorherigen Regierung gestrichen voll hatten, nun das gleiche unter einem anderen Namen wieder gewählt haben! Hut ab! Ob der 85-jährige neue Premierminister die fünfjährige Legislaturperiode überlebt ist genauso fraglich, wie das Eintreffen des groß angekündigten „zweiten Wirtschaftswunders“. Für beides stehen die Chancen etwa bei null.

Sprachvielfalt Mauritius: Die Erklärungen, wie gewählt wird, sind am Wahllokal auf
Englisch, Französisch, Kreol, Bhojpuri, Gujerati, Hindi, Marathi, Modernem Chinesisch,
Tamil, Telugu und Urdu angeschlagen.

Wir haben dennoch in den letzten Tagen vor der Wahl alles gegeben, um so viele Stimmen wie möglich für den unabhängigen Kandidaten Percy zu erkämpfen. Tausende Flyer, Sticker, Poster, CDs und T-Shirts haben wir mit den Jungs verteilt. Dutzende Male auf Kreol erklärt, dass die beiden Blockparteien das Gleiche sind und die Relevanz einer politischen Opposition aufgezeigt. 


Als am Tag nach den Wahlen die Ergebnisse bekannt gegeben wurden, mussten wir zähneknirschend und enttäuscht erkennen, dass Land und Leute noch nicht bereit sind, über Rassenunterschiede hinwegzusehen und nicht gebildet genug, um das Wahlsystem vernünftig zu überblicken. Vielleicht sind aber auch die nicht realisierbaren Wahlversprechen der Blocks schuld an den gerade einmal 1536 Stimmen für Percy. Für uns war es dennoch eine tolle Erfahrung, die uns in alle Viertel geführt hat und uns Einblick in mauritische Politik und die Gesellschaft gegeben hat. Und unzählige abgerissene Plakate und durch Blockanhänger gestörte Wahlveranstaltungen gaben uns die anerkennende Gewissheit, dass die Wahrheit den Machthabern Angst eingeflößt hat. Vielleicht wird sich hier irgendwann doch etwas ändern…
"Keep Smiling" in Perfektion

Magnus erklärt dem Rasta auf Kreol wie er zu wählen hat
und dieser antwortet ihm auf perfektem Deutsch! Wahnsinn!

Trotz Wahlkampf war immer wieder Zeit für ein Schwätzchen....

.... oder für's Haare flechten!
Die Wahlergebnisse werden vom Balkon der Schule aus verkündet -
sie standen aber schon vorher so gut wie fest!

Das "Keep Smiling"-Team kann trotzdem stolz auf seine Mitarbeit in Percys Wahlkampf sein.
Wenige Tage später waren wir bei Katharina zum Adventstee eingeladen. Stundenlang stand sie dafür in der Küche um Plätzchen, Cake Pops und Kuchen zu backen. Bei deutscher Weihnachtsmusik, einem komplett geschmückten Haus und Garten und den vielen Leckereien kam zumindest für kurze Zeit mal etwas Weihnachtsstimmung auf. 

Weihnachtlich duftete es auf der Veranda mit Blick aufs Meer.


Nun rückt Heiligabend immer näher und das bedeutet, dass wir schon fast 5 Monate hier sind. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht! Und so kommt es, dass für die Jungs, die wir hier als aller erstes kennengelernt haben, die Zeit nun schon vorbei ist. Kurz vor ihrer Heimreise haben wir aber noch etwas Zeit zusammen verbracht, zum Beispiel bei einem Picknick am südlichsten Punkt der Insel. Für uns ist der Roche qui pleure (der weinende Felsen) einer der schönsten Orte hier auf Mauritius. 

Sarah, Chris, Mélissa, Sebastian, Thorben und Charly
genießen allerlei Leckereien und eine unglaubliche Aussicht.

Mit vollgepackten Autos machten wir uns im strömenden Regen in Flic en Flac auf in Richtung Süden. Während der anderthalbstündigen Fahrt dorthin, hörte es nicht eine Sekunde auf zu regnen. Doch kaum waren wir kurz vorm Ziel, zeigte uns das Wetter mal wieder was Mikroklima bedeutet. An der Küste von Gris Gris war strahlend blauer Himmel und die Sonne schien. Wir hatten also perfektes Wetter für ein Picknick mit Pancakes, Hotdogs, Salat und mauritischen Spezialitäten. Dabei der wunderschöne Blick auf die hohen Wellen des Ozeans, die am Felsen brechen – traumhaft!


Wir haben vielleicht einige Touristenfotos ruiniert, aber ein Picknick
auf dem Roche qui pleure ist unvergesslich!


Sebastian und Chris konnten sich für die Poolparty eher
begeistern als Sarah
Dieser Moment wenn der einzige Englisch-Muttersprachler
am Tisch einen Sprachaussetzer hat: Das Essen war
"Good very!"
Samstag veranstalteten die Jungs in Kooperation mit anderen Leuten, deren Zeit jetzt nach und nach zu Ende ist, eine Party. An ihrem letzten Abend haben wir es dann aber ganz gemütlich angehen lassen und sind die Domaine Anna, einem super schönen und vor allem leckeren Restaurant, gegangen. Unser Tisch befand sich unter einem Holzpavillon, der über einem Teich mitten in einen künstlich angelegten Urwald gebaut war. Das Ambiente war echt klasse, der Wein und das Essen schmeckten ebenso und somit war es ein absolut gelungener Abend. Auf einen Absacker und einer Erfrischung im Pool ging es dann noch zu Sebastian. Am nächsten Tag mussten wir dann aber endgültig Abschied nehmen. Wieder einmal waren wir es, die am Flughafen nicht in den Flieger sondern wieder ins Auto steigen durften. Wieder war das ein komisches Gefühl zu wissen, dass die beiden in wenigen Stunden ihre Liebsten in den Arm nehmen dürfen… aber gleichzeitig waren wir auch erleichtert, dass wir bald erstmal Halbzeit haben! 




So traurig Abschiede auch sind, diese Woche haben uns auch direkt zwei Dinge zum Strahlen gebracht: Post von Zuhause!!!!! Im Briefkasten fanden wir einen Zettel von der Post auf dem stand, dass in Port Louis ein Paket für uns bereitliegt. Da der Postbote hier mit seinem Mofa schon beim Austeilen der Briefe überfordert ist, werden Pakete nämlich nicht nach Hause gebracht. Wir hätten aber die Möglichkeit gehabt, das Paket zur Poststelle hier in Flic en Flac liefern zu lassen. Das dauert allerdings nochmal eine Woche für die knapp 25km… klingt logisch oder? Naja, wir haben uns dann entschlossen selber bis nach Port Louis zu fahren, denn das ist ja einfacher – dachten wir zumindest!  
Da in dem Paket unter anderem Lebensmittel waren, gab uns die Post ein Zeitfenster von genau 45 Minuten am Tag (10.30 – 11.15) um das Paket abzuholen. Mit dem Auto ist das ja eigentlich kein Problem, wenn die Mauritier sich nicht denken würden: Montagmorgen, Hauptverkehrszeit auf der einzigen Straße die nach Port Louis führt, da jetzt mal ´ne Straße aufreißen, einspurig machen und Autofahrer ärgern… - das machen wa! Ohne Worte! 

Natürlich kamen wir 5 Minuten zu spät am Postamt an und während ich verzweifelt und panisch nach einem Parkplatz suchte, rannte Magnus ins Postgebäude und sah wie der Mitarbeiter der Health Control Feierabend machte. Glücklicherweise stand auf dem Paket alles auf Deutsch, sodass die anderen Mitarbeiter nicht verstanden was sich in dem Paket befand. Da Magnus sagte, dass in dem Paket eine Überraschung seiner Mama ist (keine Lüge!), aber es durchaus sein könnte, dass „Tee“, „Weingummi“ und „Süßigkeiten“ Lebensmittel sind, wurde es plötzlich ganz schwierig. Lebensmittel durften schließlich nur bis 11.15 Uhr abgeholt werden und der zuständige Mitarbeiter ist gegangen als Magnus im Wartebereich saß. 

Gutmütig kniff die Hindu-Dame jedoch beide Augen zu und ließ trotzdem das Paket öffnen. Darin fand sie dann 24 kleine Säckchen und eine Schnurr. Magnus fing direkt an zu lachen und erklärte ihr dann das Prinzip eines Adventskalenders und wünschte der Dame viel Spaß dabei alle Säckchen zu durchsuchen. Verwirrt öffnete sie dann Nummer 14 in dem sich eine Tüte Weingummi und ein künstlicher Tannenzweig befanden. Den Spruch „eigentlich muss man mit der 1 anfangen“ verkniff sich Magnus lieber…hahaha! Die Frau packte jedoch plötzlich die Panik, das erste Mal in ihrem Leben richtig ans Arbeiten zu kommen und so beschloss sie kurzerhand das Päckchen als „Dekoration“ zu deklarieren und gab es Magnus mit, ohne den Inhalt weiter zu durchsuchen. Zuhause wurde der Kalender natürlich sofort aufgehängt und wir durften die ersten 15 Säckchen sofort öffnen, prima! Vielen Dank nochmal! 

Gestern erreichte uns dann noch ein zweiter Brief aus der Heimat mit Weihnachtswünschen von Magnus‘ Tante und Opa. Ihr bringt uns dazu in diesen Tagen doch das ein oder andere Tränchen zu verdrücken. Danke!

Zum Schluss gibt es wie immer noch ein paar Bilder! Wir wünschen allen unseren Freunden, Verwandten, Bekannten und sonstigen Lesern ein besinnliches Weihnachtsfest, entspannte Feiertage und eine ruhige Woche! Wir melden uns nach Weihnachten mit einer Überraschung zurück :) 

FROHES FEST! SARAH UND MAGNUS


Ein dreckiges Straßenkätzchen
Die meisten streunenden Katzen werden nicht mal so alt wie diese kleine hier
Nachtrag zum letzten Blog: Blumenmädchen Sarah
in Action beim Hochzeitsfotoshooting


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