Freitag, 26. Dezember 2014

XXIII (20.12. - 26.12.14)


Ho, ho, ho, fröhliche Weihnachten!
Wie versprochen melden wir uns heute, um von unserem Weihnachtsfest zu berichten.

Der Dodo begleitet das Festival Internasional Kreol
Sarah und Caroline
Nicht jeder Fahrgast bekommt einen eigenen Sicherheitsgurt

Zunächst erzählen wir euch aber was sich in den Tagen seit unserem letzten Eintrag ereignet hat. Samstag fand in Port Louis das „Festival Internasional Kreol“ statt. Dies war der erste von drei Konzertabenden, an denen zwischen 19 und 6 Uhr allerhand kreolsprachige Künstler aus aller Welt aufgetreten sind. Darunter waren natürlich viele mauritische Größen wie Menwar oder Zulu aber auch der Star aus Frankreich, Yannick Noah. Wir waren für das Konzert mit Fredo und seiner Frau verabredet. Als das Auto allerdings vor unserer Tür hielt, trauten wir unseren Augen nicht. Das Auto war komplett überladen - inklusive Kofferraum. Wenn jemand aus dem Viertel mal ein Auto zur Verfügung hat, dann werden so viele Nachbarn wie möglich zu so einem Ereignis mitgenommen. Auch Steffi und Jens schlossen sich uns an. Das Konzert fand auf einem riesigen Platz statt,  auf dem es neben der großen Bühne, jede Menge Stände mit kreolischem Essen und Getränken gab. Caroline sorgte direkt für das Wohl aller und bestellte jede Menge Essen, von dem wir probieren durften. Während ich getreu dem Motto „Was der Bauer nicht kennt….“ nur das Schwein probierte, aß Magnus eine mauritische Spezialität: Tenrek, also Igel. Komischerweise sorgte dieser nicht dafür, dass Magnus den Rest des Abends auf einem der aufgestellten Dixiklos verbrachte und so konnten wir mit voller Begeisterung zu den kreolischen Liedern singen und tanzen.

Das Schweinefleisch hat Sarah positiv überrascht
Jens, Fredo und Magnus
Beim Warten auf den Regenschirm wurden wir von einem Schauer überrascht
Das Wetter konnte die Stimmung nicht trüben
Die kreolischen Musiker brachten auch tanzbare Lieder mit

Sonntag hieß es für uns dann Packen, denn wir sind umgezogen! Durch einen Zufall ergab sich beim Adventstee bei Katharina (von dem ich euch beim letzten Mal berichtete) die Chance, für sechs Wochen Hausbesitzer zu sein. Eine Freundin von Monika ist nämlich am Sonntag mit ihrem Mann in den Urlaub geflogen und suchte vorher wie verzweifelt jemanden, der in ihr Haus einzieht und sich um die beiden kleinen Kätzchen Mimi und Pedro kümmert. Da wir uns schon so lange danach sehnten endlich mal wieder eine Katze zu streicheln und zu kuscheln, sagten wir zu und erfuhren dann von unserem ganz großen Glück: das Haus der beiden steht nämlich in der ersten Reihe am Strand! 

Man kann das Gefühl gar nicht beschreiben wie es ist, morgens aufzustehen, die Tür der Veranda zu öffnen und nur wenige Schritte gehen zu müssen um die Füße in den Indischen Ozean zu halten. Dazu seinen eigenen kleinen Strandabschnitt hinter dem wunderschönen Palmengarten zu haben und dazu den traumhaften Blick auf Le Morne, den Berg mit der wohl schrecklichsten Legende der Insel. Wie ihr seht, wir gehören jetzt zur High Society! Aber ob ihr es glaubt oder nicht, wir freuen uns trotzdem, dass die Zeit hier begrenzt ist und wir irgendwann wieder in unser kleines Appartement zurückziehen. Das Haus ist uns tatsächlich zu groß und außerdem fehlen uns Monika und ihre Hunde auch schon! 



Direkt vor "unserem" Haus ziehen Fischer ihren Fang an Land:
Speerfische (Marlin)

Ein atemberaubender Sonnenuntergang taucht den Himmel um den "Morne" in ein sattes Orange
(Blick von "unserer" Terrasse)
Heiligabend war ein verregneter Tag (155 ml in der Stunde)
Und zack, haben wir schon wieder Weihnachten…. Am Dienstag habe ich Magnus nach dem heutigen Datum gefragt, ungelogen! Auch wenn der Adventskalender, die Dekorationen, die vielen Weihnachtsplätzchen und die stundenlangen Winterkinder Konzerte uns zumindest ein bisschen auf Weihnachten vorbereitet haben, in richtige Weihnachtsstimmung sind wir bis zum Schluss nicht gekommen. Bei diesen Temperaturen ist das einfach unmöglich! Deshalb war auch Magnus‘ Antwort auf meine Frage, nach einem kurzen Blick in den Himmel: „Anscheinend haben wir den 23. August!“ Das Wetter unterschied sich an Heiligabend nur wenig vom deutschen Wetter. Bis in die Abendstunden hat es durchgehend geregnet, nur dass es bei uns eben 20 Grad wärmer ist. 
Um 18 Uhr sind wir in die katholische Kirche in Flic en Flac zur Christmette gegangen. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt und einige mussten sogar von draußen zuschauen. Das war allerdings kein Problem, denn in der Kirche war es so heiß, dass nicht nur die an den Wänden angebrachten Ventilatoren durchgehend liefen, auch waren alle Fenster und Türen weit geöffnet. Während der Messe gab es ein schönes Krippenspiel mit vielen kleinen süßen Engeln und es wurde viel getanzt und gesungen. Für uns war es besonders schön und vor allem aus linguistischer Sicht interessante, dass in fünf verschiedenen Sprachen gesungen wurde: Französisch, Englisch, Kreol, Latein und Hebräisch. Da mit einem Beamer die Texte vorne an die Wand projiziert wurden, konnte jeder der wollte problemlos mitsingen.  Wir waren von der Messe richtig begeistert. 

Für Linguisten interessant: Die Orthographie wurde nicht eingehalten
und man sieht deutlich die Variation im Text:
nou/nu, prie/prier, twa/toi
Anschließend folgten wir direkt der Einladung von Eva und Thornton. Bei ihnen waren wir zusammen mit Monika zum Essen auf ihrer Terrasse eingeladen. Für die Vorspeise sorgte allerdings Monika und kredenzte uns Baguette mit Gänseleberpastete und Champagner für 150 Euro die Flasche (ein Entrée, das unserem neuem sozialen Rang angemessen ist! Hahahaha). Danach machten wir japanisches Fondue, was uns ebenfalls super gut schmeckte. Nach dem Essen haben wir dann beide jeweils kurz mit unseren Familien geskypt und uns die Geschenke präsentieren lassen, die ihnen das Christkind gebracht hat. Das war toll und plötzlich fühlten sich die 10.000km doch gar nicht mehr so weit an. Wir hatten also ein ganz anderes, aber trotzdem sehr schönes Weihnachtsfest.
Sarah skypt mit ihrer Familie

Zu Besuch bei Fredos Familie in einem bescheidenen Viertel von Rivière Noire

Sarah la Reine und Naomi la Renne
Heute hatten wir dann was ganz besonderes vor, denn wir spielten selber den Weihnachtsmann und die Weihnachtsfrau für die zwei supersüßen Kinder von Fredo und Caroline, die wir sehr ins Herz geschlossen haben. Wir wussten schon vorher, dass die beiden aus finanziellen Gründen nicht viel zu Weihnachten bekommen würden. Aber als wir dann noch erfahren haben, dass die Regierungspartei durch die Viertel der Armen gegangen sind, um Geschenke an die Kinder zu verteilen, jedoch nicht zu Fredo und seiner Familie kamen, weil dieser Percy beim Wahlkampf gegen die Regierung geholfen hat, entschlossen wir endgültig den Vieren eine Freude zu machen. Mit unseren Weihnachtsmützen und bepackt mit einem Malbuch, Buntstiften, einem Springseil, Figuren der Minions, die blinken und Musik machen und Smarties machten wir uns auf den Weg. Anne Laure und Naomi freuten sich total über die Geschenke und jedes einzelne wurde sofort ausprobiert. Es war super schön zu sehen, wie viel Freude wir ihnen bereiten konnten. Als Dankeschön sagen die Mädchen uns mehrere Ständchen und schenkten mir handgefertigten Schmuck.

Im kleinen Wohn-/Schlaf-/Esszimmer gab es plötzlich eine Bescherung

Das Malbuch kam gut an

Zuletzt bringt Anne Laure Magnus das kreolische Lied "Mo mama travay"
bei, mit dem sich Kinder bei ihren Eltern dafür bedanken, dass diese alles für sie tun
Das Duett im Video:

video

So, nun wünschen wir euch allen noch einen guten Schlussspurt für das Jahr 2014! ZWAYE NOEL!

In der Nacht tut ein Regenschauer besonders gut

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