Sonntag, 18. Januar 2015

XXVI (11.01.-18.01.15)

Gestatten, Bansi!

Er wirbelte wirklich alles durcheinander! Und damit erstmal Dankeschön für’s Daumendrücken! Zwar kam alles anders als geplant, aber letztlch doch zu einem guten Ende…


Wir saßen tagelang auf gepackten Koffern
Die ersten Berechnungen ließen vermuten, dass der Zyklon Bansi mit seinem Zentrum Mauritius treffen würde. Wir waren also zunächst froh, dass wir ohnehin nach Rodrigues fliegen wollten und so dem Schlimmsten anscheinend entgehen sollten. Monika hingegen konnte Haus und Hunde nicht im Stich lassen und entschied sich, den Urlaub auf den sie sich so lange gefreut hatte, abzusagen. Nachdem wir stündlich die Updates und Hochrechnungen über den Verlauf des Sturms verfolgten, kamen allerdings auch bei Sarah und mir erste Zweifel auf. Was passiert mit den Katzen und Gerlindes Haus während wir weg sind? Was wenn Bansi doch zwischen Mauritius und Rodrigues hindurch zieht und wir nicht mehr nach Hause fliegen können? Was wenn das Wetter auf Rodrigues so schlecht ist, dass wir nur in der Pension sitzen? Zu allem Überfluss wurden auch meine offenen Wunden in der Haut, die ich mit Antibiotikum und Cortison behandeln musste, auf den ersten Blick nicht besser. Sie schienen kaum heilen zu wollen und sollten besser nicht mit verunreinigtem Wasser oder Salzwasser in Berührung kommen. Nach langem hin und her entschlossen wir uns also, die Flüge nach Rodrigues zu verschieben. Unsere Pension war einverstanden, dass wir aufgrund der Ausnahmesituation zum gleichen Preis im Februar kommen dürfen. „So ein Glück“ mag man denken, doch wie groß unser Glück war, verstanden wir erst im Nachhinein.


Das Haus wurde gesichert und Proviant angehäuft
 



Solche Wellen kennt man innerhalb des Riffs eigentlich nicht!
 

"Kommse vonne Schicht, watt schönret gibbet nich, als wie..."

Als wir abends zum ersten Mal seit fast 6 Monaten wieder Currywurst-Pommes aßen, wurden wir auch von Eva und Thornton darin bestärkt, dass es die richtige Entscheidung war, hier zu bleiben. Montag wurde also statt Flughafen der Supermarkt aufgesucht und wir deckten uns mit haufenweise Wasser und Lebensmitteln, sowie Kerzen für eventuelle Stromausfälle ein. Das letzte Mal als ein Zyklon die Insel traf, gab es in manchen Regionen schließlich 6 Wochen lang keinen Strom… Und am Montag wurde bereits die zweite von vier Warnstufen ausgerufen. Alles wartete auf die dritte Warnstufe, die mit einer Ausgangssperre einhergeht. Ludowig und ich räumten die Möbel ins Haus und verriegelten die Fensterläden. Außerdem brachten wir unser Auto in die Werkstatt, denn bei Sturmschäden wären wir nicht versichert. Also war es besser, das Auto nicht bei uns stehen zu lassen. Dann mussten wir wieder warten. Inzwischen hatte sich Bansi vergrößert. In seinem Zentrum herrschten Windgeschwindigkeiten von über 300 km/h, doch er bewegte sich nur sehr, sehr langsam vorwärts und änderte seinen Kurs plötzlich in Richtung Rodrigues.

Das riesige Auge von "Bansi" war größer als ganz Mauritius
Dank des schlechten, stürmischen und regnerischen Wetters (als Touristen hätten wir uns ordentlich geärgert), konnten wir uns endlich wieder unserem Buch widmen. Inzwischen können wir gute Fortschritte verzeichnen!

Am Dienstag gab es eine klassische Win-Win-Situation zwischen Sarah und Thornton. Letzterer wollte ein paar Dinge mit seiner Kamera ausprobieren, um bei zukünftigen Hochzeiten auf seinem Dreamcatcher-Katamaran noch bessere Fotos schießen zu können. Sarah stellte sich also als Model zur Verfügung und bekam tolle Fotos von sich selbst. Seht selbst:
 








Am Mittwoch stand bezüglich Bansi fest, dass wir niemals wie geplant am Freitag zurückfliegen hätten können. Sämtliche Flüge zwischen Rodrigues und Mauritius wurden gestrichen. Schon die Ausläufer des Zyklons ließen Palmen und Äste abbrechen und das Meer, das hier aufgrund des Riffs kaum Wellen hat, tobte und erreichte sogar die Wiese in unserem Garten. Dabei war das Zentrum glücklicherweise noch hunderte Kilometer entfernt…


Am nächsten Tag war der Spuk dann vorbei. Die Warnstufe wurde aufgehoben und der Zyklon zog in Richtung Osten davon. Genau auf Rodrigues. Wenn man die kleine Insel im Vergleich zum riesigen Auge des Sturms sieht, wird einem schon mulmig. Und bedenkt man, dass wir eigentlich gerade dort wären und ohne Übertreibungen in Lebensgefahr geraten könnten, dann wird einem deutlich, wieviel Glück wir doch hatten!

Soviel Glück wie wir hat leider nicht jeder. Zum Beispiel die kleine Tochter von Fredo, Naomi. Erst flog ihr beim Sturm beinahe das Wellblechdach weg, dann regnete es in ihr Bett. Außerdem hat sie ähnliche Wunden wie ich, aber viel mehr und schmerzhafter. So kam es, dass Fredo und Caroline statt ein Geschenk für ihren siebten Geburtstag am Donnerstag, das Geld in einen Arztbesuch und ein Medikament stecken mussten. Viel geholfen hat beides nicht. Sarah und ich entschieden uns also mit einem Geschenk und Kuchen die Stimmung aufzuheitern. Ruckzuck war die Bude voller Kinder aus der Nachbarschaft und Naomi vergaß beim Ausblasen der magischen Kerzen für ein paar Minuten ihre Traurigkeit!




Mit dem Geburtstagskind

Fredo und Caroline erzählten uns daraufhin von ihrer momentan letzten Hoffnung für die Kleine. Die Wallfahrtsstätte des Père Laval in Sainte-Croix. Der Priester, der 1979 von Johannes Paul II. selig gesprochen wurde hatte während der Kolonialzeit viel für die schwarze Bevölkerung Mauritius‘ getan und ein Gebet an seinem Grab soll heilende Wirkung haben. Wir verabredeten uns also für den nächsten Tag, um die Familie in den Norden von Port Louis zu fahren. In der kleinen Kapelle steht ein gläserner Sarg in dem eine Nachbildung von Père Laval liegt. Man kauft vorher einen kleinen Strauß Blumen und Kerzen, die man auf den Sarg legt nachdem sein Gebet gesprochen hat. Caroline fing dabei an zu weinen. Das war wirklich sehr herzzerreißend denn man konnte sehen, wie viel Sorge sie in sich trägt und wie viel Hoffnung sie in dieses Ritual des Betens setzt. Danach berührte sie erst den Sarg mit ihren Händen berührt und danach die Stellen an Naomis Körper, die geheilt werden sollen. Danach hat das gleiche nochmal Naomi selbst gemacht. Anschließend schnitt Caroline eine Haarsträhne von Naomi ab. Dies machte sie genau an der Stelle, die offen ist und die Naomi so viel Schmerzen bereitet. Die Strähne legte die Familie gemeinsam neben die Blumen und Kerzen auf den Sarg und betete nochmals. Anschließend gingen wir alle in die Kirche um dort zu Gott zu beten. Für Caroline und Fredo war dieser unglaublich wichtig und sie dankten uns dafür mindestens hundert Mal. Es war schön zu sehen, wie wichtig wir im letzten halben Jahr für diese Familie geworden sind, das ist ein tolles Gefühl!

 
 

Die kleine Familie hofft auf die heilenden Kräfte des "Apostels der Schwarzen"
Caroline schneidet eine Haarlocke von der Stelle am Kopf, ander Naomi die Wunden hat.



Danach haben wir  noch einen Stop bei McDonalds gemacht und haben jedem einen Burger ausgegeben. Danach war die Welt wieder in Ordnung!


Den Samstag verbrachten wir mit Hausarbeit und arbeiteten zusammen mit Oswaldo an unserem Buch. Oswaldo brachte super leckeres Essen mit, das sein Papa für uns gekocht hatte. Es gab mit Spinat gefüllten Fisch, eine Art Bratkartoffeln, Gemüseallerlei, Tomatensalat und Baguette. Anschließend verbrachten wir noch einen schönen Abend zusammen!

Heute ist leider schon unser letzter Ferientag. Wir arbeiteten fleißig weiter an unserem Buch und Caroline kam um Sarah die Haare neu zu flechten. Dabei erfuhren wir auch, dass das Beten anscheinend geholfen hat. Wir haben es nie für möglich gehalte,n aber Naomi geht es schon viel besser und die Wunden heilen ab. Ob das wirklich an den Gebeten oder an den Medikamenten liegt, die endlich wirken... man weiß es nicht. Die Familie glaubt fest daran, dass Père Laval ihnen geholfen hat und das ist auch gut so. Bei Magnus waren es jedenfalls eher die Zinksalbe und das Antibiotikum. Hauptsache ist jedoch, dass es allen wieder besser geht!

Leider vergingen die letzten zwei Monate wie im Flug. Inzwischen hatten wir Halbzeit und ab Morgen geht dann der Ernst des Lebens wieder los! Aber schon Dienstag ist der für Sarah wichtigste Tag im Jahr – ihr Geburtstag! Für Samstag ist eine kleine Gartenparty geplant - vorausgesetzt das Wetter spielt mit.

Wir werden es euch berichten!
Bis bald.
Sarah & Magnus




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen