Mittwoch, 28. Januar 2015

XXVII (19.01. - 27.01.15)

Luxusproblem: Die riesigen Kokosnusspalmen im Garten unseres Hauses am Meer versauen uns den Blick von der Terrasse auf den wunderschönen Sonnenuntergang...



Verehrtes Volk,

auch in diesem Jahr möchte die Königin wieder all denjenigen danken, die an ihrem Königinnentag an sie gedacht haben! Sie war höchst erfreut!

Bevor jedoch der große Tag auf mich wartete, wurden wir zum Ferienabschluss mal wieder bei Eva und Thornton zum Abendessen eingeladen. Es gab selbstgemachte Reibeplätzen (oder wahlweise auch Reibekuchen genannt) mit ebenfalls selbstgemachtem Apfelmus, Creme fraiche, Lachs und Salat. Reibeplätzchen kannte ich vorher nur mit Zucker und/oder Apfelmus, aber mir hat jede Kombination fabelhaft geschmeckt.






Montagabend waren wir dann bei Steffi und Ernst zum Grillen eingeladen, denn Ernst, der eigentlich Jens heißt, feierte seinen 31. Geburtstag. Es dauerte eine ganze Weile, bis alle Gäste eintrudelten, denn eine Verspätung von zwei Stunden ist bei Mauritiern ganz normal. Das kennen wir ja schon.
Nachdem Jens gebührend mit Poolparty und selbstgebrautem Bier gefeiert wurde, war es dann um Mitternacht endlich soweit – Königinnentag! Wir feierten also, mit Sekt und dem übrig gebliebenen Geburtstagskuchen von Jens, spontan in meinen Geburtstag rein. 


Durch das nächtliche Feiern kamen wir am Dienstag dann etwa eine Stunde zu spät in die Uni. Leise gingen wir in die Klasse, um den Unterricht nicht zu stören, doch plötzlich fingen alle an „Happy Birthday“ für mich zu singen. Der Dozent unterbrach seinen Unterricht dafür gern, schließlich hatte er auch keine andere Wahl. Nach dem Seminar gingen Magnus, Oswaldo und ich noch zusammen Mittagessen und zum Nachtisch spendierten mir die beiden eine große Tüte Weingummi.
Am Abend führte mich Magnus dann nochmal ganz fein zum Essen aus. Er bestellte einen Tisch in der Domaine Anna. Das ist ein mitten im Zuckerrohr gelegenes Restaurant aus vielen Holzpavillons, die in einem regenwaldartigen Garten über einen Teich gebaut sind. Zum Essen spendierte Magnus sogar eine Flasche leckeren Weißwein, der sehr gut zu meinem Lachs passte. Da die Dame am Nachbartisch offensichtlich auch Geburtstag hatte, gab sie uns zum Nachtisch sogar noch ein Stück von ihrem Kuchen ab. Abgerundet wurde der Abend dann damit, dass wir endlich mal wieder eine Nacht in unserem kleinen Appartement in Flac en Flac verbrachten. Alles in allem hat Magnus also dafür gesorgt, dass ich trotz des miserablen Wetters einen tollen Königinnentag hatte. Danke nochmal!


Den Rest der Woche verbrachten wir damit die Party am Samstag vorzubereiten, zur Uni zu gehen und uns um unsere Krankheit zu sorgen. Denn nicht nur, dass Magnus neue Blasen und offene Stellen am ganzen Körper bekam, nachdem die ersten abgeheilt waren, jetzt hab ich auch sowas! Da der Arzt hier jedoch die Sprech„stunde“ wörtlich nimmt, kamen wir vor dem Wochenende nicht mehr dazu ihm einen Besuch abzustatten.

Land unter in der Impasse des Pêcheurs vor unserer Haustür
Freitag ging hier auch noch die Welt unter. Es regnete von morgens bis abends ununterbrochen, sodass die Straßen komplett überflutet waren. Ich sah wirklich schwarz für meine Gartenparty am Samstag. Ich grübelte den ganzen Tag: absagen – nicht absagen – absagen – nicht absagen…. Als ich letztlich dabei war den Leuten abzusagen und den Wetterfrosch Eva anrief, machte sie mir Mut und versicherte mir, dass es Samstagabend nicht mehr regnen würde.





Nun gut, ich lud also alle wieder ein und riskierte, dass sich alle auf der Terrasse aneinander kuscheln müssten, wenn Eva nicht Recht behielt. Aber sie behielt Recht! Ab Mittag fiel kein Tropfen mehr vom Himmel. 

Ich selber musste gar nicht so viel besorgen und vorbereiten. Eva, Thornton und Monika machten durch ihr Geschenk die Party nicht nur möglich, sie kauften sogar alle Getränke für mich ein und brachten sie mir nach Hause. Außerdem bereitete Eva auch noch eine Mousse au Chocolat vor. Jean Claude, der Küchenchef in einem tollen Restaurant ganz hier in der Nähe ist, besorgte mir das Fleisch für einen unschlagbaren Preis. Außerdem marinierte er den Fisch (Dorade) und das Hähnchen, panierte die Schweineschnitzel, machte einen super leckeren Kartoffelsalat mit selbstgemachter Mayonnaise und typisch mauritische Snacks. Ginette stand stundenlang in der Küche um die Schnitzel (echte Schnitzel Wienderart) zu braten und kümmerte sich auch sonst um Müll, Sauberkeit und spülte sogar alles, obwohl wir eine Spülmaschine haben. Katharina brachte einen Nudelsalat mit, Magnus und Giovinella kümmerten sich um den Grill und Jens brachte selbstgebrautes Bier mit. Ich hab noch einen gemischten Salat vorbereitet und konnte sonst ganz stressfrei meine Party genießen. Tolle Geschenke gab es auch: eine Krone, Getränke und Fleisch, Ohrringe, ein Kochbuch, eine Clutch, einen Fächer, Körperbutter und eine Hello Kitty Torte inklusive Ständchen auf Englisch, Französisch und Deutsch. Es war richtig toll zu sehen wie sich alle gut verstanden, nette Gespräche auf vier verschiedenen Sprachen führten und Ginette den ganzen Abend rackerte. Wenn man ihr helfen wollte sagte sie nur: „Nein, genieß deine Party, das ist dein Geburtstag. Amüsiere dich!“ Und als ich mich für die viele Hilfe bedankte, sagte sie sogar, dass sie uns fast so liebt wie ihre eigenen Kinder und sie froh ist, dass wir damals in ihr Haus gekommen sind und sie uns nur deshalb heute so helfen kann. Das war wirklich süß! Es war eine richtig tolle Party mit tollen Leuten, leckerem Essen, schönen Geschenken, super Wetter mit einem sehr schönen Sonnenuntergang, guter Musik und vielen Segatänzen.
Alles in allem ein sehr gelungener Abend, bis auf das Ende.



Die Michels zaubern ein königliches Festessen

Die illustre Gesellschaft

Zitat Steffi: "Ein babylonisches Get-Together"

Ginette und Caroline machen's vor: Die Damen tanzen mauritischen Sega


Hier und da entwickelte sich im Laufe des Abends ein promillebasiertes Königinnentag-Pidgin
Die Tanzschritte "Anba, anba" und "tous sali" sehen beim ersten Versuch noch unbeholfen aus



Magnus, Jens und Ernst

Pedro, der kleine Kater war nämlich plötzlich verschwunden. Wir suchten ihn überall, in jedem Winkel des Hauses, in jedem Gebüsch im Garten und sogar Mimi rief ihn und half mit ihn zu suchen. Alle Gäste die noch da waren nahmen sich Taschenlampen und Futterdöschen und suchten das gesamte Grundstück nach ihm ab, das er bis dato noch nie verlassen hatte. Doch der kleine Racker war nirgendwo zu finden. Giovinella, Mimi und ich gingen sogar die Straße entlang und suchten den Strand und die Nachbargrundstücke ab, aber keine Spur vom Katzenkind. Magnus und ich waren schon der Verzweiflung nahe, denn es gab nur einen einzigen Grund warum wir die Berechtigung hatten in diesem Haus zu wohnen: die Katzen! Nach fast 2 Stunden vergeblicher Suche gingen dann auch die restlichen Gäste nach Hause und grübelten während der Autofahrt und noch Zuhause darüber, was mit Pedro passiert sein könnte. 

Pedro und Mimi haben nichts als Flausen im Kopf
Magnus machte schließlich nochmal eine letzte Tour um den Block und nach etwa 200 Meter hörte er ein zartes Stimmchen aus einem Gebüsch. Da war der kleine Prinz, völlig verstört und dreckig. Zuhause brauchte er erstmal eine ausgiebige Streicheleinheit und vor allem ganz viel Schlaf. Vermutlich ist er einem Auto gefolgt und hat dann nicht mehr nach Hause gefunden. Wie auch immer, wir waren jedenfalls sehr erleichtert ihn wieder bei uns zu haben.

Ende gut – alles gut!





Am Montag haben wir uns dann dazu entschieden nicht in die Uni zu fahren, sondern zum Arzt zu gehen. Das war eine sehr weise Entscheidung, denn endlich wissen wir,  was wir haben! Dr. Leutéritz wusste ohne große Erklärung unsererseits, was wir uns da eingefangen haben: Impetigo Contagiosa. Eine hochinfektiöse bakterielle Hauterkrankung, die meistens nur bei Kindern auftritt. Magnus hat sich also tatsächlich bei Naomi und ich mich bei ihm angesteckt. Dass wir uns angesteckt haben ist eigentlich sehr ungewöhnlich, könnte aber auch damit zusammenhängen, dass wir diese Art von Bakterien aus Europa einfach nicht gewohnt sind. Hier ist diese Krankheit nämlich nicht außergewöhnlich. Jedes Jahr brechen Epidemien vor allem in den Armenvierteln aus, weil die Kinder sich gegenseitig anstecken und die Eltern meistens kein Geld für die Medikamente haben. Jetzt nehmen wir beide ein sehr starkes Antibiotikum und hoffen, dass wir die Krankheit schnell bekämpfen können. Als der Arzt uns frage ob es sein kann, dass wir uns bei einem Kind angesteckt haben und wir ihm die Geschichte von Naomi erzählten und dass auch diese Familie kein Geld für Medikamente hat und stattdessen ihre letzte Hoffnung das Beten am Sarg von Père Laval war, gab er uns ein flüssiges Antibiotikum zum Trinken für die Kinder mit – ganz umsonst! Jetzt können wir also alle wieder gesund werden!

Zum Schluss hab ich noch eine freudige Nachricht aus der Uni. Wir haben zwei Klausuren aus dem letzten Semester sehr gut bestanden. In der einen Klausur ging es darum, ein Werbeplakat einer großen Fastfoodkette zu analysieren, die in Frankreich mit Asterix geworben haben. Wir mussten drei Stunden lang verschiedene Theorien erläutern und anwenden und haben beide die beste Note die vergeben wurde: B. In einer anderen Klausur, in der es unter anderem um Entstehungstheorien der Kreolsprachen ging, sind Magnus und ich sogar mit Abstand die Klassenbesten: 24/30 und 28,5/30 Punkten. Die nächstbeste hat bloß 16/30 Punkten.

So genug geprahlt!
Schöne Restwoche!
Magnus & Sarah
 


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