Montag, 16. Februar 2015

XXIX (04.02.-16.02.15)

"One Island, Many Peoples, All Mauritians"

Namasté zum Zweiten!

Auf Mauritius haben wir bisher so einiges erlebt. Nachdem wir normales Studentenleben und Fernsehauftritte, Pressekonferenzen und Kulturfestivals, religiöse Feste und Wahlkampf erlebt hatten, waren wir in den vergangenen Tagen plötzlich als Models gefragt!


Im Sofitel Impérial, dem 5-Sterne Luxus Resort in Flic en Flac, sollten für ein Valentinstagsspecial romantische Fotos geschossen werden. Wer eignet sich dafür besser, als ein gutaussehendes, verliebtes Pärchen, das nach Glamour, Geld und Hochzeitsreise aussieht? Sie haben sich aber trotzdem für uns entschieden… Hier seht ihr einige Bilder, die über Facebook, die Sofitel-Internetseite, Flyer und im Hotel verbreitet wurden!


Gleichzeitig erscheinen wir auch auf den neuen Dreamcatcher Flyern und Postern, die Eva mit auf eine Messe in Deutschland nimmt, um Werbung für ihre Katamaran-Touren zu machen. Wer hätte gedacht, dass ich bei so hübschen Schwestern noch das erste Topmodel in der Familie werde?


Kitsch soweit das Auge reicht

Aufgrund unseres übermäßigen Antibiotikaverzehrs um Impetigo loszuwerden, sind wir dann allerdings leider mal wieder krank geworden. Darm und Immunsystem wurden in Mitleidenschaft gezogen und wir mussten bei strahlend blauem Himmel und über 30 Grad das Bett hüten.


Magnus perfektioniert seine Sega-Skills bei jeder Gelegenheit
Damian, Fabian und Thierry (hat es bei Mauritius
sucht den Superstar ins Halbfinale geschafft) spielen live
Nichtsdestotrotz kostete es uns keine große Überwindung, trotz der Beschwerden, zur Geburtstagsparty von Oswaldos Schwager Stephane nach Floréal zu fahren. Familie Michel hatte die Garage in einen Partyraum umgestaltet und versorgte uns mit Speis, Trank, Livemusik und viel Tanz. Standart-Tänze standen genauso auf dem Programm wie mauritischer Sega und das traditionelle Eierbrechen über dem Kopf des Geburtstagskindes, vor dem Sarah vor ein paar Wochen so Angst hatte. Natürlich versuchte Ginette uns auch mit Hausmittelchen zu heilen – sie konnte ja nicht wissen, dass ein Glas Mehl in Wasser bei meiner Glutenunverträglichkeit kontraproduktiv sein würde…


 .
Geburtstagskind Stephane hat Eier und Mehl abbekommen
Wir mussten also eine komplette weitere Woche genesen, bevor wir dann am 14.02. wieder richtig was erleben durften. Fredo und Caroline hatten schon lange die Idee, dass wir am Valentinstag zusammen ausgehen und „fet nou lamour“ (unsere Liebe feiern). Als Valentinsmuffel waren wir gespannt, was die beiden darunter verstehen würden. Tatsächlich ging es, in Begleitung von Steffi und Jens, in den Südosten der Insel in einen Nationalpark. Wir 4 Deutschen waren dabei die einzigen nicht-Kreolen, was erst für verwirrte Blicke sorgte, später aber auch zu netten Gesprächen führte. Dresscode, an den sich nicht alle hielten, waren Hemd und lange Hose für Männer und ein rotes Outfit für die Damen. Die Musik war ein bunter Mix aus Klassikern und kreolischer Musik (bei der immer deutlich mehr Leute tanzten) und größtenteils zum Schwofen geeignet. Nach einem kleinen Konzert von LinzyBacbotte (hier ein Link zu einem der schönsten Lieder) wurden dann allerdings die härteren Beats aufgefahren. Sofort tanzten die Jugendlichen auf eine für uns gewöhnungsbedürftige Art und Weise (vielleicht weil wir nicht mehr so regelmäßig in die Disko gehen?!). Insgesamt war es ein sehr netter, lustiger Abend!


Ladies in red
Die ausufensten Tanzmoves stellen wir aus Jugendschutzgründen nicht online
Fredo und Caroline haben uns auf einen lustigen kreolischen Valentinstag ausgeführt

Ein Pilger macht Pause (auf der Fahrbahn)
Auf dem Heimweg mussten wir dann sehr vorsichtig fahren, denn überall tauchten, wie aus dem Nichts, unbeleuchtete Pilgerzüge auf. Da Mahashivaratri, das Fest zu Verehrung des Gottes Shiva, vor der Tür steht, machen sich tausende Hindus auf den beschwerlichen Weg zum Tempel in Grand Bassin auf. Barfuß pilgern sie tagelang zum See, der angeblich ein von Shiva verlorener Tropfen des Ganges, und somit das einzige heilige Gewässer außerhalb Indiens ist. Dabei tragen oder schieben die Gläubigen riesige (karnevalsähnliche) Wagen mit Nachbildungen des Gottes. Angekommen opfern und beten sie, baden im heiligen Wasser und pilgern dann wieder zurück nach Hause. Ein spektakulärer Anblick und der Auslöser einiger Staus auf unserem heutigen Weg zur Uni. Denn statt über Nebenstraßen zu laufen, pilgern die Gläubigen in Familien-Clans mitten über die Autobahn… im Berufsverkehr! Doch niemand hupt oder drängelt, denn jeder lässt hier den nächsten seine Religion ausleben wie er möchte. Man mag das nicht unbedingt, man findet es auch befremdlich, aber letztlich herrscht eine beneidenswerte Toleranz!


Viele Pilgern in der Nacht, da der Beton tagsüber brüllend heiß ist

Hier sind gleich 3 Wagen aneinander gekoppelt - die Pilger
schlafen teilweise in eingebauten doppelten Böden!
Namasté
Natürlich sind wir deshalb heute auch zum Grand Bassin gepilgert, allerdings in säkularisierter Form, im Auto! Trotzdem durften wir ein aus „heiligen Zutaten“ gemischtes Pulver tanzend zu einem indischen Lied in ein Feuer werfen und uns dabei etwas wünschen. Die Zeltstadt, die um den See entstanden ist, die zahlreichen (oft selbsterklärten) „Heiligen“, die prophetenähnlich an Ständen ihre Sicht auf den Hinduismus erklären, das von geopferter Milch trübe Seewasser, die vielen erschöpften Pilger, die sich ohne Besteck mit Briani stärkten… Wir waren wieder einmal tief beeindruckt!



Selbsterklärte Propheten überall


Ob die Wünsche wirklich in Erfüllung gehen? 


Die Hindus pilgern in Massen zum Tempel

Die geschwächten Pilger stärken sich, rechts ihre Wagen
Auf diesem Wagen fährt neben Shiva (blau) auch ein stylischer Ganesha mit Sonnenbrille mit :)
Und es ist noch lange nicht vorbei – schon in zwei Tagen ist der nächste Feiertag: Das chinesische Neujahr läutet das Jahr der Ziege ein. Einen Tag darauf geht es dann für uns im zweiten Anlauf nach Rodrigues. Danach gibt es wieder einen Blogeintrag und viele Fotos für euch!

Liebe Grüße nach Hause,
Sarah und Magnus

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen