Dienstag, 3. Februar 2015

XXVIII (28.01. - 03.02.15)

Namasté!


Heute berichten wir Euch von einer ereignisreichen Woche, in der uns Mauritius so gut wie alles geboten hat, was es so an „Multikulti“ drauf hat. Wir haben das Chillen also unseren Katzen überlassen und uns auf Entdeckungsreise begeben…

Eine solche Reise sollte man unter keinen Umständen unvorbereitet antreten. Zur Vorbereitung ging es für mich zum Friseur in Tamarin. Dieser hat in den vergangenen Jahren gut investiert und seinen Salon aus Wellblech mit festen Steinwänden verstärkt. Ich sah mich also in guten Händen, um mir den Helmut-Gedächtnis-Mäcki scheren zu lassen. Ein ungewohnter Anblick, den ich seit ich 8 oder 9 Jahre alt bin nicht mehr regelmäßig trage. Langsam aber sicher haben sich aber alle dran gewöhnt und der erste Sonnenbrand auf der Kopfhaut heilt zügig ab:

Sommerfrisur 2015 - Ohne Bärtchenansatz nicht tragbar!

Chetan und Co sind in den Mauritius-Farben unterwegs
Im zweiten Semester haben wir einen Kurs über die Verarbeitung der indischen Immigration nach Mauritius im mauritischen Roman. In der „Vorlesung“ (wenn man das so nennen soll) lernten wir also ein Kapitel der Geschichte kennen, dass uns noch nicht so geläufig war - auch wenn die indisch-stämmige Bevölkerung unübersehbar ist. Durch den Roman Namasté (ein sanskritischer Gruß, etwa wie Grüß Gott!) wurden wir auch mit Gottheiten konfrontiert, die wir bislang nicht kannten. Unsere Kommilitonen sind glücklicherweise dazu bereit, uns ihren komplexen Glauben näher zu bringen. Es wird aber seine Zeit in Anspruch nehmen…

Nach der ersten Einführung in die hinduistische Götterwelt, ging es auf einen Abstecher tief in den Westen: Nach Hause! Oswaldo war zur Arbeit an unserem Guide vorbeigekommen. Nicht ganz ohne Hintergedanken, denn er hat inzwischen Freude daran gefunden Deutsch, seine erste richtige Fremdsprache, zu lernen. Als er fröhlich „Ich liebe Königsblau“ erklärte, musste Sarah zwar noch schmunzeln, doch spätestens als wir „Oppa Pritschekowski“ mit Songtext abspielten und Waldo mühelos „ob ich verroste und verkalke“ sang, platze Sarah die Hutschnur. Wutentbrannt stapfte sie zum PC und tippte „Herbert Grönemeyer Bochum“ ein. Ohne ein Wort zu verstehen, war Oswaldo (der sonst Zulu-Konzerte mit ein paar hundert Mann gewöhnt ist) beeindruckt von den tausenden Konzertbesuchern, die das Steigerlied und die Bochum-Hymne mitsangen. Also übersetzten wir ihm den Text und zeigten ihm Bilder von Gruben, Zechen und dem Emscherstrand! Glück auf!  

Nach selbstgemachter Sour-Cream jetzt Sushi -
Sarah kann inzwischen so gut wie alles!
(Danke an Eva!)
Am nächsten Tag waren es wieder einmal Eva und Thornton, die uns tief im Westen Mauritius‘ weit in den fernen Osten versetzten und uns zum Sushi machen und essen einluden. Für Sarah war es das erste Sushi überhaupt und sie war als großer Lachs- und Thunfischfan natürlich hellauf begeistert. Sowohl das Selber machen, als auch das Verzehren hat gut geklappt und Spaß gemacht. Ich hielt mich eher an die Stücke mit mehr Reis und Mango, wurde aber letztlich auch pappsatt!

Sonntag, der 1. Februar ist Feiertag auf Mauritius. 1835 wurde an diesem Tag die Sklaverei abgeschafft. 2015 gibt es aufgrund des 180 jährigen Jubiläums eine mehrtägige, internationale Konferenz auf der Wissenschaftler ihre Arbeiten über die Zeit der Sklaverei, die Lebensverhältnisse der Maroons (geflohene Sklaven) und die Auswirkungen bis in die Gegenwart, vorstellen. Wir konnten uns die Möglichkeit natürlich nicht entgehen lassen und erfuhren somit mehr über die Umstände, die zur Entwicklung der Kreolsprachen unmittelbar beigetragen haben.

Die Qualität der Beitrage zur Sklavereiabschaffung ging sehr weit auseinander. Einige Studien waren jedoch extrem interessant und hilfreich!

Mein Bart lässt noch zu wünschen übrig. Sarahs Hijab steht ihr jedenfalls besser...

Sarah und Afsheen
Nach Hinduismus, Ruhrgebiet, Japan und Sklavereigeschichte erzählte uns unsere muslimische Freundin Afsheen am Montag in der Uni vom World-Hijab-Day der am 02.02. stattfand. Die Idee des Tages ist es, Nicht-Kopftuchträgerinnen kostenlos mit einem Hijab auszustatten und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein Bild davon zu machen, wie es ist seine Haare vor den „Evil Eyes“ zu schützen (Zitat vom ausgeteilten Flyer). Aus Interesse und um Afsheen (trägt normalerweise kein Kopftuch) eine Freude zu machen, ließ sich Sarah also bereitwillig verschleiern. So richtig wohl fühlte sie sich aber nicht und aus dem Kopf- wurde sehr schnell wieder ein Halstuch. Bei den Temperaturen und Klimaanlagen auch besser…


Zu guter Letzt stand heut wieder ein Feiertag an. Und தைப்பூசம்(Thaipoosam Kavadi) war wirklich ein absolutes Highlight. Die Verehrung des Gottessohns Murugan wird von den Tamilen einmal im Jahr zu ihrem Höhepunkt geführt. Die Großfamilien finden sich an einem für sie heiligen Gewässer ein, versetzen sich in Trance und opfern Milch, Bananen und Kokosnüsse. Dann werden einzelnen Familienmitglieder kleine Lanzen durch die Haut geführt, die die Lanze des Murugan symbolisiert, der sie im Kampf gegen das Böse gerettet hat. Anschließend tragen oder ziehen die Gläubigen die bunt geschmückten Kavadis zum mehrere Kilometer entfernten Tempel. Dass wir bei diesem heiligen Ritual ganz nah dabei sein durften, war atemberaubend. Auch der Stellenwert der Religion gerade bei jungen Menschen hielt uns in Atem. Die Schreie, wenn die Gläubigen hinter Tüchern versteckt die Münder und Körper gepierct und mit Limetten verziert bekamen, waren allerdings befremdlich. Noch viel befremdlicher als die Ganesha-Verehrung der Hindus im August. Worte reichen einfach nicht aus, um das Spektakel zu beschreiben. Deshalb kommen nun einige Fotos, die versuchen sollen, das bunte Treiben wiederzugeben:

Tausende Gläubige finden sich am heiligen Bach ein

Eine Frau betet in sich gekehrt
Die Hauptfarbe bei den Tamilen ist Rot (in Variationen bis zu Pink)
Ihr reinigendes Element ist das Feuer

An Kavadi wird Murugan verehrt
Hinter Tüchern werden die Körper der Gläubigen gepierct
Die umstehenden Familienmitglieder übertönen die Schreie der "Geschmückten"
Hier und da muss nochmal nachgebessert werden...
Nagelbrettschuhe und Obst sollen das Böse von der Familie fernhalten
Die Tamilen beten zusammen bevor sie die Prozession beginnen


Stolz zeigt der kleine Junge seinen Schmuck.
Die Lanzen werden durch die Wangen und die Stirnhaut geführt.


 
Dieser Gläubige ist komplett verziert und wartet auf den Beginn der Prozession



video


Glöckchen und Limetten schmücken den Tamilen,
der einen wunderschönen Kavadi trägt
 

Sarah beäugt die Prozession interessiert

Dieser Mann zieht seinen Kavadi mit in der Haut befestigten Haken




Tut schon beim Hingucken weh: Nagelbrettschuhe

Soviel zu unserer bunten Reise durch die Kulturen! Mittlerweile sind wir dabei unsere Brocken zusammenzupacken, denn am Donnerstag ziehen wir wieder zurück in unser kleines Apartment in Flic en Flac. Mit einem lachenden Auge, denn uns bleibt viel Fahrerei und Arbeit erspart und Monika und unser „echtes“ Zuhause haben uns gefehlt, aber auch mit einem weinenden Auge, denn ein Haus am Meer, mit eigenem Strand und kleinen Baby-Kätzchen werden wir in unserem Leben so bald nicht wieder haben!

Bis dahin – Glück Auf! Sarah und Magnus 









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