Dienstag, 9. Juni 2015

XL (05.06. - 09.06.15)

Blick von der Tribüne der Pferderennbahn auf den Pouce (Daumenberg)

Hallo zusammen!

Ein paar mous zonn haben es sich bei uns im Garten gemütlich gemacht

Im inzwischen 40. Blogeintrag unseres Mauritius-Abenteuers können wir euch nochmal zwei ganz neue Ausflugsziele vorstellen! Zuvor hatten wir allerdings am Freitag noch andere Erlebnisse: Ein LKW hielt neben unserem Gärtchen und die Männer erklärten uns, dass die Stromleitungen mal wieder freigeschnitten werden müssten. Kurzerhand sprangen dann 5 Jungs mit Macheten von der Ladefläche, baten uns höflich den Hund anzuleinen und kletterten dann in unsere Mangobäume. Eine halbe Stunde später fehlte ein Viertel der Baumkronen und wir hatten wieder Licht im Apartment. Schon vorher war uns aufgefallen, dass es wieder vermehrt große „mous zonn“ (Wespen) gab, die hin und wieder auch in unsere Wohnung flogen. Bei der nächsten Gelegenheit fragten wir also bei Gärtner Dat nach und siehe da: Im Garten hatten die Wespen inzwischen 4 größere Nester gebaut. Kurzerhand bastelte Dat mit seinem Sohn eine Fackel und verbrannte die Nester. Vor lauter zum Umzug gezwungener mous zonn konnte man die Hand nicht mehr vor Augen sehen. 
Ergebnis der guten Arbeit des Gärtners

Einfahrt zur Pferderennbahn Champ de Mars
(Nein, das Gebäude wurde nicht mit Microsoft Paint eingefügt)
Seit einigen Wochen hatten wir bereits geplant, vor unserer Abreise dem Champ de Mars in Port Louis einen Besuch abzustatten. 1812 von den Engländern etabliert, ist die Pferderennbahn seit über 200 Jahren die Anlaufstelle am Wochenende. Jung und Alt, Arm und Reich. Alles trifft sich zwischen Rennbahn, Tippstand und Tribüne um zu fachsimpeln, zu wetten, mitzufiebern und -klassisch mauritisch- zu essen! Es ist nicht ganz überraschend, dass die Pferderennen zunehmend in die Kritik geraten sind, als deutlich wurde, dass hier ähnlich viel geschoben und geschmiert wird wie bei der FIFA. Geheime Absprachen, Telefonate, Außenseitersiege, Fehlstarts von Favoriten… Es ist nicht so, als wäre uns das alles am Samstagmittag verborgen geblieben. Dennoch war es ein wahnsinnig lustiger und spannender 10. Renntag.

Jeder hat sein Infoheft, alle müssen fachsimpeln

Warten auf den Start

Vom Balkon des Turf-Club-Präsidenten aus
sieht man genau die Ziellinie
Rajinder und Gerlinde, die Mitglieder im Mauritius Turf Club sind, begleiteten Monika und uns. Die Damen hatten sich bestens herausgeputzt. Sonnenbrillen und Hüte durften dabei natürlich nicht fehlen! Die ersten zwei Rennen verfolgten wir aus einer Loge heraus für die man Eintritt zahlen musste. Hier, bei der Mittelklasse, waren Hemd und lange Hosen Pflicht. An einem Tisch konnten wir zwischen den Rennen die Zeitschriften studieren und uns von Rajinder, der die Jockeys und Pferde genauestens kennt, Tipps einholen. Zwischendurch nahmen wir jedoch auch ein Bad in der Menge und schauten ein paar Rennen von der Dachterrasse oder direkt an der Strecke. Bei einem kurzen Plausch mit dem Präsidenten des Turf Clubs erwirkte Rajinder dann sogar, dass wir ein Rennen in der Präsidentenloge verfolgen konnte. Diese liegt natürlich genau am Ziel, ist klimatisiert und hat einen Balkon der die Pferde- und Jockeybeobachtung vor dem Start zulässt: Wer ist nervös, wer lahmt? So können die Wetten hier und da noch anders platziert werden. Nach fast 5 nervenaufreibenden Stunden mochte wohl der ein oder andere in der Loge über die Summen die wir gespielt hatten schmunzeln, doch der Verlust von nur 5 Euro als blutige Anfänger gab uns recht – und was, wenn „Wing Man“ nicht in der letzten Kurve noch „Cash Lord“ abgefangen hätte…

Wer nicht im VIP-Bereich sitzt muss andere Wege finden,
um etwas über die Verfassung der Pferde zu erfahren

...dann kann die Wette platziert werden

Der Favorit startet schon mal mit Verzögerung....

Malerische Kulisse in Port Louis

Gespannte Blicke auf den Tribünen...
... und an der Strecke. Freud und Leid - Jubel und Enttäuschung

Fotofinish

Viel Zeit zum Ausruhen und Nerven beruhigen blieb uns anschließend nicht. Schon um 19 Uhr kamen die ersten Vorbands von Tiken Jah Fakoly auf die Bühne in Port Louis. Das Konzert des großen afrikanischen Reggae-Stars, der schon vor sieben Jahren bei Magnus erstem Besuch auf der Insel einen Auftritt beim Sakifo Muzik Festival hatte, wurde von Percy organisiert. Wir fuhren mit Brauer Jens und Steffi nach Port Louis, mit denen wir schon lange nichts mehr unternommen hatten. Außerdem trafen wir vor Ort auch Fredo und Caroline. Die beiden waren, trotz über 20 Grad, in dicke Winterdaunenjacken gehüllt und erklärten, mit den rauen Wintertemperaturen so ihre Probleme zu haben… Leider setzte tatsächlich der ein oder andere Regenguss ein und drückte die Stimmung eines eigentlich sehr schönen Konzertes ein wenig. Tiken Jah hat allerdings auf Mauritius mit seiner Botschaft afrikanischer Befreiung und Kampfes gegen die Unterdrückung von „Mama Africa“ einen schwereren Stand als auf dem Festland. Die indische Einwanderung, der Tourismus und die verschiedenen Diskurse haben im Laufe der Jahre dafür gesorgt, dass das Bewusstsein afrikanisch zu sein hier nicht ausgeprägt ist. Man ist Mauritier oder Kreole, aber doch kein Afrikaner?! Eine interessante Beobachtung am Rande des Abends.

Fredos Familie hat die Winterjacken unterm Bett hervorgekramt
Tiken Jah Fakoly ist der größte Reggaestar Afrikas

Afsheen und Sarah in Curepipe
Dass der Sonntag der Entspannung galt erklärt sich von selbst. Schließlich war für Montag schon wieder eine extreme Tour angesetzt. Unsere Uni-Freundin Afsheen hatte Sarah von einem ihrer Lieblingsorte der Insel erzählt: Der „Pont Naturel“ (Natürliche Brücke) im Südosten! Die Muslimin leidet sehr unter der Ferienzeit, da ihr Vater ihr in der Regel nur gestattet auszugehen, wenn ihr Bruder oder ein Cousin dabei ist. Überraschenderweise nahm sie nun ihr Herz in beide Hände, da sie uns unbedingt noch einmal sehen wollte, bevor wir fliegen. Sie sagte ihrem Vater, dass sie am Montag mit zwei Freunden aus der Uni einen Ausflug machen wird. Nicht als Frage, sondern als Feststellung. Etwas perplex blieb der Vater zurück. Wir holten Afsheen also am Busbahnhof in Curepipe ab und machten uns auf den Weg in den Süden. Zunächst fuhren wir von L’Escalier aus durchs Zuckerrohr zum Souffleur. Der Felsen heißt so, da das Meerwasser durch eine Felsspalte wie bei einem Wal in einer Fontäne in die Luft „geblasen“ (souffler) wird. Der Anblick war atemberaubend!


Ein etwas anderes Hotel in Curepipe




Le Souffleur



Wie ein Wal bläst der Souffleur Meerwasser in die Luft


Mit Salzkruste und den üblichen Flecken kann man unsere
kleine Digitalkamera inzwischen komplett vergessen...

Um zu erfahren wie es zur Pont Naturel geht, fragten wir einen Mann vor einer Tabagie. Er hatte keine Ahnung, wollte sich aber darum kümmern und bat uns zu warten. Als wir schon einfach weiterfahren und jemand anderen fragen wollten, geschah wieder einmal so eine typisch mauritische Geschichte. Der Mann hatte innerhalb kürzester Zeit im Wohnhaus neben der Tabagie bei Google Maps einen Weg ausfindig gemacht und ausdrucken lassen. Nun überreichte er uns das Papier und erklärte uns den Weg durch die Zuckerrohrfelder. Dies sind die Momente, von denen Touristen immer wieder berichten, wenn sie sagen, dass Mauritier zu den freundlichsten Menschen gehören, denen man auf Reisen begegnen kann.



Magnus spaziert über die Pont Naturel
Kurze Zeit später fanden wir uns erst im Zuckerrohr und dann an einem unwirklichen Ort aus vulkanischen Steilküsten wieder. Tatsächlich sind einige Felsen wie eine kleine Brücke über das tosende Meer angeordnet. Trotz Wind und Gischt wagte sich Magnus sie zu überqueren. Die Wellen an der Südküste waren gestern riesig und boten eine atemberaubende Kulisse. Während wir den Ausblick genossen und das Salz unsere Haut verklebte, brachte uns Afsheen einige Wörter Urdu bei. Die Vorfahren ihrer Mutter kommen aus Pakistan, sodass sie neben Kreol, Englisch und Französisch auch Urdu als Muttersprache hat. Arabisch schreiben und verstehen zu können gehört als Muslima natürlich auch dazu. Typisch Mauritius… Außer پتھر „patthar“ (Felsen) und پانی „pani“ (Meer) ist von der komplizierten indischen Sprache allerdings nichts bei uns hängen geblieben!
patthar und pani in action
Mauritius - das sind doch nur weiße Strände und türkisfarbenes Wasser!

Als richtige mauritische Literaturstudenten konnten wir es uns nicht nehmen lassen, das Robert Edward Hart Museum zu besichtigen. Der mauritische Poet lebte an der Südküste in einem einfachen Haus („La nef“), das kunstvoll mit Korallen und Korallenstein verziert ist. Hier schrieb er seine Gedichte über Madagaskar, Indien und Mauritius auf französischer Sprache und versuchte die kulturelle Vielfalt zu verarbeiten. Ein interessanter Ort für den Philologen, ein schöner Ort für Jeden:

La Nef ist mit Muscheln und Korallen verziert
„Si j’ai fait en granit ma maison pour la mort, je n’ai fait qu’en rafia la maison de ma vie. (Wenn ich mir auch ein Haus aus Granit für den Tod geschaffen habe, so habe ich das Haus meines Lebens aus Palmen gemacht) - R.E. Hart



Für die Stärkung zwischendurch gab es Zuckerrohr!
Sauerei...

...also Hände waschen!

Am Nachmittag hieß es dann also Abschied nehmen. Es floss das ein oder andere Tränchen und wir könnten uns kaum voneinander trennen. Afsheen bot uns an uns noch eine Moschee zu zeigen und zu erklären bevor wir fliegen. Ob wir das allerdings zeitlich schaffen, wissen wir noch nicht.

Viele Straßenhunde sind eigentlich Zuckerrohrhunde.
Mit der Ernte kommen sie aus ihren Verstecken.

Ein farbenfroher Hindutempel beim Dorf Trois Boutiques

Touri-Magnus kauft lecker Roti

Es gibt offensichtlich immer noch viel zu erleben. Bis zum nächsten Mal! Magnus & Sarah 

Eine schöne Zeit liegt schon hinter uns.
Nach und nach verschwindet Mauritius im Rückspiegel

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